Chanson, Schlager, Pop, Rock oder doch eher Funk? Fragt man den charismatischen Frontmann und gleichzeitig Namensgeber der Band Pierre Ferdinand nach der musikalischen Ausrichtung von "Pierre Ferdinand et les Charmeurs" erhält man als erste Reaktion ein Achselzucken. Vielleicht ein bisschen von allem. Und genau das ist es, was den Charme dieser französischen Combo ausmacht: Pierre Ferdinand machen sich keine Gedanken über Stilrichtungen oder Konventionen, sie machen einfach. Und zwar Musik die Spaß macht. Ihnen selbst und dem Publikum. Natürlich wird dabei die Herkunft der Band nicht verleugnet. So pflegt Sänger Pierre auch nach über 10 Jahren in Deutschland seinen französischen Akzent und der Inhalt der meisten Lieder ist direkt aus dem Leben der Bandmitglieder gegriffen, die bis auf den japanischen Posaunist Jacques Kamoto allesamt aus Frankreich stammen.
Pierre, Sohn einer Französin und eines Halbdeutschen, wurde in Avignon geboren und verlebte dort seine Kindheit. Hier soll er in seiner Jugend auf einer Brücke Mireille Mathieu begegnet sein, die verträumt auf die Rhône schaute und dabei vor sich hin summte. Pierre war von dieser Erscheinung so angetan, dass er sich fortan in Anlehnung an sein Idol "der Specht von Avignon" nannte und sich dem Chanson verschrieb. 1997 verließ er die Provence und ging nach Paris. Zwei Jahre später beschloss er, die deutsche Heimat seines Vaters zu erobern. In Hamburg schrieb er seine ersten Chansons in deutscher Sprache und gründete die Band "Pierre Ferdinand et les Charmeurs". Dies gestaltete sich anfangs nicht ganz einfach, denn Pierre legt Wert darauf, dass seine Lieder authentisch klingen und das, davon ist er fest überzeugt, geht halt nur mit echten Franzosen. Dafür nimmt er es sogar in Kauf, dass Bassist Jean Luc de la Sacre zu jedem Auftritt extra aus Nizza einfliegen muss.
Der hohe Anspruch, den Pierre an sich selbst und seine Band stellt, findet sich auch in seinen Texten wieder. Es geht ihm nicht darum, einfach nur möglichst viele französische Vokabeln zu gebrauchen, sondern mit jedem einzelnen Chanson eine kleine persönliche, in sich abgeschlossene Geschichte. So wird der Zuhörer mal auf mitreißende, mal auf ergreifende Art und Weise in das romantische Frankreich und das dort so typische Savoir-Vivre entführt. Und genauso vielfältig, wie die Geschichten, die Pierre Ferdinand et les Charmeurs zu erzählen haben, ist der Stilmix, den sie sich angeeignet haben. Pierre selbst nennt seine Lieder gerne "Neochansons", denn egal ob schneller Popsong wie "Ganz Paris ist eine Disco" oder eingängige Mid-Tempo-Nummer wie "Ich hab Alain Delon geseh'n", Frontmann Pierre ist es wichtig, dass seine musikalische Heimat, der Chanson, stets herauszuhören ist. Und dieser Mix macht die Musik von Pierre Ferdinand et les Charmeurs tatsächlich zu etwas Besonderem.